Mit Ironie und Spott aufklären und „aufbringen“ – hochzürnen!

Veröffentlicht auf von altenhumor


Otto Häuser, eine schon verstorbene ostdeutsche Spottdrossel, immerhin noch 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, sagte, es bedürfe „einer Kompanie von Satirikern, um all die Widersprüche, Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten aufzuspießen“. Der Satiriker setzte auf die Satire.

Betont seriöse gesellschaftliche Akteure setzen ganz auf die Ratio. Ironisch-spöttelndes „Aufspießen“, Niedermachen behagt ihnen nicht.

Nur bierernst über die amtliche Renten„garantie“, über die Pro-forma-„Rentenerhöhung“ zum 1. Juli sprechen – das muss nicht sein!
Wie rede ich mit einem, der immer noch Kanzler Schröders Agenda 2010 hochhält?
Oder mit einem, der von der Senioren-Union programmiert wird? Anders sind meist CDA-Vertreter beschaffen.
Gemeinsam wird besser immer wieder über „die da“ hergezogen, werden auch „Gläubige“ belacht.

Ja, unsere Genugtuung und Freude, die Tricksereien der Regierenden wirklich zu begreifen, zu durchschauen, soll „die“ erzürnen!
Sie durch besonders klug gewählte Argumente umstimmen zu wollen, ist nun mal vergebliches Mühen.

Schon der britische Philosoph und frühbürgerliche Staatstheoretiker Thomas Hobbes (1588-1679) glaubte, dass die Essenz des Humors im „plötzlichen Triumph" liege, den Menschen fühlen, wenn andere zum Gesött werden. – SPIEGEL 8-2005

Wenig bekannt ist, was schon der alte Fontane zu bedenken gab:
„… nichts ist seltener, als dass Menschen durch ein ernstes Wort … bekehrt, besiegt werden. Die gewöhnliche Folge ist Verstimmung und verdoppelte Auflehnung oder jenes berühmte ,mit seinem Charakter zu Rate gehn’, was nicht das Geringste hilft …“

H. Markwort hat als Herausgeber und langjähriger Chefredakteur von „Focus“ unzweifelhaft in diesem Bereich bedenkenswerte Erfahrungen sammeln können. Er frappierte im ARD-Presseclub mit der Aussage: „Jeder zweite Bürger interessiert sich nicht für detaillierte politische Informationen.“

 „Spaß motiviert" las man mal in einem Interview der Zeitschrift  „neue Linke" mit der stellvertretenden Landesleiterin von ver.di in Sachsen-Anhalt, E. Rogèe, über die Wirksamkeit einschlägiger Mittel bei Aktionen im Rahmen eines dortigen Mindestlohnbündnisses.

„Im politischen Kabarett ist man von engagierten Kritikern umgeben“, sagt der Kabarettist Volker Pispers.
Ist das nicht bedenkenswert bei dem Bemühen, eine „Gegenöffentlichkeit“ zum Mainstream der Sozialstaatsdemontierer zu schaffen?
V. P. verliert sich nicht beifallgeil in sinnleere Witzeleien wie Komiker, die sich ins politische Kabarett verirrt zu haben scheinen.

Aus einem Pispers-Programm:
„Was glauben Sie, was in Deutschland los wäre, wenn jeder begreift, was hier los ist! …“
„Sie können wählen, was Sie wollen …“
„Die sagen, das ist Demokratie …“
„Wenn die gewusst haben, was sie anrichten … was sie dann sind, darf ich Ihnen von der Bühne nicht sagen …“

Für manche ist das Kabarett wie die (zugegebenermaßen oft davon schlecht abgegrenzte Comedy) etwas auf „bloße“ Unterhaltung abgestelltes Unernstes.
K. Tucholsky, „die“ Autorität auf diesem Gebiet, hilft zu unterscheiden:
„Der Humorist sieht immer beide Seiten, und da er ausgleichend und versöhnend wirkt, bietet er oft die letzte Lebensmöglichkeit, sich mit dem Gegebenen, wie es nun mal ist, abzufinden. …
Der Satiriker … will sich nicht abfinden, er ist keineswegs geneigt, das Gegebene als endgültig hinzunehmen. Er will es ändern. Und so verhält er sich vor allem zu jeder Autorität, der er sich beugen soll, kritisch. …
Auslachen ist oft die einzige Waffe, einem an äußeren Machtmitteln überlegenen Gegner beizukommen.“
Sehr richtig schreibt Albrecht Müller von den „NachDenkSeiten“ in „Machtwahn“: „… um die Mehrheit des Volkes immer wieder herumzukriegen … wird das gesamte Instrumentarium der Meinungsbeeinflussung bis hin zur Manipulation eingesetzt“. Die „Gegenöffentlichkeit“ sollte da nach Kräften gegenhalten. „Waffengleichheit“ ist freilich realistischerweise nicht denkbar.

Noch ein Tipp:
Regelmäßig die monatliche Kabarett-Sendung des ZDF „Neues aus der Anstalt“ ansehen!

Remake des 2007 für die „NachDenkSeiten“ eingereichten Beitrages.

13 Artikel von mir sind da immer noch zu lesen. Link

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