Satire – „Pflegemittel“ und Instrument unserer Aufmüpfigkeit

Veröffentlicht auf von alteninformant

 

Als Auslöser, Artikulation und möglicher „Anheizer“ von Stimmungen im Vorfeld von Bürgeraktionen mit Power. Wo wir nicht vor sich hin Grantelnde geben, sondern eher die wütenden Ollen aus dem Schwabenland nachspielen.

 

Ja, am Anfang steht da vorteilhaft scharfzüngige problembezogene (!) Satire als Teil einer unverkrampften politischen Meinungsbildung, die aufklärt und aufreizt, dabei Verstand und Emotionen, Temperamente anspricht.

 

Oft unterbleibt in unseren Breiten solche Vorbereitung. Freilich ist sie kein Ersatz für die Aktion, weil sie dann ins Leere geht. Wie Mundspitzen ohne zu Pfeifen.
„Politiker sind doch keine Pappnasen“, habe ich in einem Kommentar Link den Standpunkt eines „Humorlosen“ glossiert und in Frage gestellt.

 

„Humor kräftigt das Abwehrsystem,“ weiß der Mediziner. Warum das nicht auch bei der Vorbereitung von Aktionen beherzigen? Humor fördert auch das Selbstvertrauen, heißt es. Viele Senioren-Gewerkschafter trauen sich und ihrer Organisation heute nur noch wenig zu. Kleinmütig wird oft gesagt: „Da kommt ja doch nur eine Handvoll …“
„Aus einem verzagten Arsch kommt selten ein fröhlicher Pfurz“, lästert der Volksmund.

 

„Resignative Demenz“ spießte auch Lisa Fitz auf, die muntere Rampenfrau. Bei: „Mann an Bord“ (WDR, 10.12.2011). Sie erwäge, auf Volksmusik umzustellen, weil sie vom Publikum enttäuscht ist.
„Die Alten sehen Talkshow und warten, ob wohl ein Wort fällt, das sich anzuhören lohnt.
Dementen sei Selbsterkenntnis verschlossen, sagen Mediziner. Das ist ganz schlimm. Leute, die zu erschüttern sind, mit denen lässt sich was anfangen.

 

Dem, was die Regierenden uns an Unsozialem als „alternativlos“ bescheren, ein starkes Gefühl entgegenzusetzen, das treibt Georg Schramm an, ganz ohne Unterlass. Solch starkes Gefühl ist für den Kabarettisten der Spitzenklasse der ZORN; er beruft er sich dabei – einigermaßen verblüffend – auf eine hohe klerikale Instanz von vor 1500 Jahren: Papst Gregor I. Der hätte gepredigt, nur mit der heiligen Kraft des Zorns sei „dem Bösen“ wirksam entgegenzutreten.
Dieses Böse sei wesentlich die Habgier.
Die simple Habgier der kleinen Leute ist freilich nicht, was Schramm umtreibt. Es ist die maßlose Gier derer und ihrer Sachwalter, von denen Millionen Lohn- und Rentenabhängige existenziell abhängen. Seine eindrucksvollen Auftritte lassen sich am Rechner dank YouTube nacherleben. – Link

 

Paradox: Die Renten steigen und steigen. Zugleich sinkt und sinkt aber das „Sicherungsniveau“. So funktioniert die neoliberale Heuchelsprache voller Doppelbödigkeiten und Rosstäuschertricks.
Nominal gegen Real? Das ist vollkommen verrückt? Ach, was ist schon vollkommen!
„Die Wirklichkeit stellt sich anders dar als die Realität“ – das Bonmot wird dem Altkanzler Kohl zugeschrieben.

 

In der politischen Satire erhält gewissermaßen die „schweigende Mehrheit“ eine Stimme. Sie nimmt die regierende Politik beim Wort, entkleidet dieses der Beschönigung – so etwa bei dem Ungetüm „Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz".

 

Richtig zünden kann Aufklärung/Mobilisierung in der Gruppe mit dem passenden spöttischen Stimmungslied, wenn zwei, drei Stimmstarke damit ordentlich loslegen. „…dafür hammer einen Hammer“  Link
  Vielleicht gehen da sogar „die Hände nach oben und mitgemacht“ wie beim Karneval.

 

„Wir kommen alle Mann vorbei – hurra, hurra!“ singen da die Höhner, eine Köllsche Truppe. „Dann jeht et flott …!“
Das Motto für körperliche wie geistige Gesundheit könnte sein: „Machen Sie sich frei! Sonst tut es keiner für sie.“ Doziert Vince Ebert.


„Ach die Parteien! Die von der Union sagen, die Spezialdemokraten haben keine Ahnung, und die finden, die von der Union haben keine Ahnung. Das Schlimme ist, beide haben Recht.“ – Nach „Alaaf und Helau“ (WDR)
„Die SPD macht sich in jede Hose, die man ihr hinhält“, sagt Dieter Hildebrandt.
„Als SPDler hat man immer ein bisschen Angst“, meint Georg Schramm.
Wilfried Schmickler beichtet seine „Glaubenskrise“. Ob er die Zeitung aufschlägt oder `nen Sender anstellt! Er glaubt es einfach nicht und attackiert eine „durch und durch verlogene Bussi-Bussi-Gesellschaft"

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Zum Schluss aus meiner Zitatensammlung noch dies:

„Etwas in seiner Lächerlichkeit bloßzustellen, ist das Wichtigste, was Satire leisten kann. Wenn ich über etwas lachen kann, es als lächerlich erkenne, verliere ich … in gewissem Maße die Angst davor. Und wer keine Angst hat, dem fällt es leichter, sich zu wehren.“
So der Autor des satirischen Bestsellertitels „Känguru-Manifest“ Marc Uwe Kling. Link

Siehe auch:
„Mit Ironie und Spott aufklären und ,aufbringen` -  hochzürnen!“  Link

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