Verspekuliert?

Veröffentlicht auf von alteninformant

Bleigießen war gestern. Heute ist wieder Kaffeesatzlesen angesagt. Oder Kartenlegen.
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Klar, der Jahreswechsel ist die ideale Zeit für Spekulationen. Für zukunftweisende versteht sich. Nachdem vorher einiges daneben gegangen ist.

 

Ja, um sich zu verspekulieren, hat auch unsereins durchaus etliche Möglichkeiten. Die, bei denen man einen Anlagenberater an seiner Seite weiß, sind freilich nicht jeder Frau, jeden Mannes Sache. Da erinnere ich an den Kommentar „Mit der Rente knapsen“ (02-08).

Aber haben wir uns nicht alle verspekuliert, die wir der Serie von „Rentengarantien“ der verschiedenen Bundesregierungen mehr oder weniger doch getraut haben. Und dabei über eine Serie von „Rentendämpfungen“ mittels dafür eigens ersonnener Kürzungsfaktoren in eine „Versorgungslücke“ geschliddert sind mit einem Wertverlust der gesetzlichen Rente von rund einem Viertel im letzten Jahrzehnt. Irregeführt auch von Politikerreden über ein „Drei-Säulen-Modell“ der Alters„sicherung“.
Säulen? Wat is dat denn?

Nur wenige von uns können sich bei den jetzt vielgeschmähten Spekulanten eingereiht haben, die saftige Renditen einstreichen können, aber nun fürchten,  „Schuldenschnitten“ der Euroretter zum Opfer zu fallen.
Naja, aber sogar Experten verspekulieren sich, so werden wir immer noch mal aufgeklärt. „Verzocken“ sei freilich was anderes, da würde mit Leichtsinn Geld „verdient“.

Bei Geldanlagen scheuen die Bürger nach wie vor das Risiko, klagen die „Anbieter“. Immerhin kauften aber allein im zweiten Quartal des Vorjahres laut Bundesbank „die Haushalte“ für 1,8 Mrd. € Wertpapiere, vor allem langfristige wie Bundesanleihen. – „Neues Deutschland“, 2.11.2011

Banken verdienen an Schulden, versteht sich, das ist doch normal, denn Banken vergeben Kredite. Nur die werden aber wegen auch dubioser Geschäfte angeprangert.
Von den Zigtausenden mehr oder auch weniger rechtschaffener deutscher Millionäre und ihren Depots spricht und schreibt niemand Konkretes. Das bediene doch Sozialneid, und der ist unanständig.
90 % der Bankentransaktionen werden durch Kundenaufträge ausgelöst, verriet Hilmar Kopper, der Vorgänger von Josef Ackermann auf dem Chefsessel der Deutschen Bank. (Bei Günther Jauch – ARD, 30.10.) Invest-Banking sei „Geschäft mit Großkunden. Was soll da also das übliche mystifizierende „Bankenbashing“? Leeres Gerede! „Bankenrettung“ ist Renditesicherung für die superreichen (vor allem!) und die kleinen Aktionäre. Damit die sich nicht verspekulieren!

Verspekuliert sich nicht auch – das so leichtfertig wie grandios – wer bei Wahlentscheidungen seine Lebensinteressen nicht sorgsam beachtet?
Es liegt nahe anzunehmen, dass bei Wahlen die Interessen der jeweiligen Wählergruppen den Ausschlag geben. Das bestätigen aber Wahlanalysen für unsere Generation nicht wirklich.
Wer von uns Alten denkt, wenn er wählen geht, an seine Rente? Das tun doch wohl eher die Nichtwähler! Kopfschüttelnd, wenn sie uns Optimisten sehen.
Im Ergebnis würden wir „Rentner von Wohlstandsentwicklung abgekoppelt“, bilanziert die Volkssolidarität in einer Presseerklärung. – Link 

 

„Könnte auch ich unter günstigen Bedingungen auf Rettung hoffen?“ höhnte Tom Schimmeck, ein Kolumnist der „Berliner Zeitung“ (24.10.), und ließ seiner Phantasie Spielraum: „Ich eilte schnurstracks zur Sparkasse meines Vertrauens. Erklärte dort, wie nervös ich sei, schlug einen radikalen Schuldenschnitt vor …“

Und hatte sich – wieder einmal – verspekuliert? Er ist halt wie viele heut „völlig durcheinander“.

Weitere Denkanstöße – nicht nur für Spekulationen – gibt Dietrich Antelmann mit seinem rentenhistorischen Blog „Muß die Rente unsicher sein?“  Link 

 

Genasführt oder verspekuliert?  „Selber schuld”, höre ich sagen, wenn das Gespräch auf das jetzt aufgekündigte Merkel-Versprechen zur Ost-West-Rentenwert-Angleichung und darüber Enttäuschte zu sprechen kommt.
Aber ein neues arges Beispiel von Vertrauensbruch derer da oben ist das ja doch!
Das Vertrauen der Bürger in regierende Politik wiederherzustellen, wird in vielen öffentlichen Debatten als unbedingte Notwendigkeit hervorgehoben. Eine Schnapsidee?
Ansonsten heißt es oft, ehe die Bundesregierung ihre Wahrheit sage, sage sie lieber nichts. Das mag ja vielfach und in dem hier angesprochenen Fall über Monate zugetroffen haben. Aber nun wissen wir, woran wir sind, und haben uns darauf einzustellen:
Mit Merkel und Rösler gibt es die Renteneinheit am St.-Nimmerleins-Tag!

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