Wer’s glaubt, wird selig

Veröffentlicht auf von altenhumor

 

Klar: Wer die Redensart gebraucht, spricht die Skepsis gleich mit. Nicht einmal einer solchen Verheißung ist zu trauen. Obwohl: Mancher Gutgläubige bewahrt auf diese Weise aber seine innere Ruhe, und das hat freilich seinen Wert. Von staatswegen werden wir Ältere für unsere Erfahrung und unsere Gelassenheit (!) gewürdigt.

 

Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) besagte, dass gerade mal jede(r) zehnte Deutsche Politiker noch für vertrauenswürdig hält. (Nur in Bulgarien, Tschechien und Italien sei ihr Renommè schlechter.)

Doch die deutschen Rentner wählen mit Vorliebe Rentensenkungsparteien, sagt O. Lafontaine.

Es gibt halt auch noch andere Wahlmotive, sagte mir dazu ein Mitarbeiter des DGB-Bundesvorstands.

 

„Die Lüge macht das Leben interessant und wirklich schön. … Es gibt Lügen, die kommen der Wahrheit bedenklich nahe.“ So schwadroniert der Spaßmacher Bruno Jonas über Vertrauensseligkeit und Gelassenheit. Und beim Kabarettspitzenmann Volker Pispers finde ich dieses Argument: „Was glauben Sie, was in Deutschland los wäre, wenn jeder begreift, was hier los ist.“

 

 „Misstrauen ist dort am Platz, wo Vertrauen Dummheit wäre“, lese ich im Feuilleton. Na also! Da wird doch niemand widersprechen.

Wo überall unser Vertrauen überfordert wird, damit befassen wir uns auf diesen Seiten regelmäßig. Zuversicht ist sehr eingeschränkt. Zugleich ist sie aber lebenswichtig. Der Misanthrop ist zu bemitleiden, ihm fehlt der Blick voraus, ein wichtiger Antrieb, ein Lebenselixier. Unzureichend gerichtetes, allgemeines Misstrauen ist destruktiv, bindet Kräfte, behindert die Gemeinsamkeit in der gesellschaftlichen Aktion.

Heruntermachen der Politiker ganz unterschiedslos (s. obiges Umfrageergebnis!) nutzt jenen, denen ein formierter Widerstand Probleme bereitet, und den Destruktiven am rechten Rand.

 

Wir widersprechen und höhnen über jene, die da meinen, dass es den Alten noch zu gut geht.


Was macht aber, dass die Alten ziemlich gelassen hinnehmen, was ihnen zugemutet wird? Sich oft selber ohne Widerwillen in den Gedankenkäfig manipulierender Sprachregelungen einliefern.

- Eine oft beschworene allgemeine „Emotionsschwäche“ der Deutschen, von der allerdings deutsche Fußballfans überhaupt nicht betroffen sind?

- Die müde Altersmilde der Erfahrenen, die „in sich selber ruht“?

- Schlechte Erfahrungen mit der Wirkung auch eindrucksvollster Aktionen (Demos etc.)?

- Die Wirkung der neoliberalen Propaganda, deren angeblich unabweisbare Argumente über vielfältige Kanäle täglich auf uns alle einwirken (zur Globalisierung, demografischen Entwicklung etc.)?

Natürlich wirkt all das zusammen und trägt auch zu dem bei, was man „Mobilisationschwäche“ der Gewerkschaften nennen kann.

Trotzdem: Rund 90 % aller Deutschen wollen die Rente mit 67 nicht. Sie sehen darin keine Problemlösung, sondern die Wurzel neuer Probleme.

 

Von den demokratischen Parteien geht nur DIE LINKE dagegen an. Die Abwendung kann sie nicht versprechen. Immerhin beschäftigt sie den Bundestag immer wieder auch mit ihren Anträgen zur Rentenpolitik.

 

Uns, den Älteren, verspricht zur Zeit niemand unmittelbar etwas. Doch halt! Wir haben doch eine staatliche „Rentengarantie“.

 

Wie absurd diese Garantie ist, ist manchem mit Blick auf die „Rentenerhöhung 2011 und die Statistik realer Rentensenkung über die Spanne des letzten Jahrzehnts aufgegangen.

Viel Humor braucht, wer das vor allem als lächerliche Inszenierung sehen möchte.

 

Kommen wir bei der Schaffung der deutschen Renteneinheit 2012 endlich voran?

Ich halte es mit der Redensart:

„Wer zu früh rechnet, der rechnet zwei Mal.“

Doch was ist da früh?

 

Remake von pits aktuellem Kommentar 01-08

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post