„Wie geht es dir?“

Veröffentlicht auf von alteninformant

So erkundigen sich Freundliche viele Male, anteilnehmend oder weil es halt üblich ist, wann immer sie einander über den Weg laufen. So fragte mich auch ein alter Bekannter, den ich mal wieder – eben in den Vorweihnachtstagen – traf. „Ich prahle nicht gern“, antwortete ich, wie schon gewohnt. Diesmal mit dem Nachsatz, dass Frau Merkel für uns alle schon eine frohgemute Einschätzung abgegeben hat: „Es ging uns lange nicht so gut.“
Der Kollege stufte meine Reaktion als „philosophisch“ ein, und wir gingen lachend auseinander.

 

Nicht oft verläuft ein freundschaftlicher Small-talk wohl in so einer Weise. Mir macht er im Nachhinein bewusst, dass wir mit unseren Lebensbedingungen auch deren „amtlicher“ Einschätzung unterworfen sind. Wir könnten einander auch fragen: „Schon gehört, wie zufrieden Sie sind?“
Was meint: „Eigentlich doch sein sollten!“

 
Unser Wohlbefinden wird von den Regierenden einfach vorausgesetzt. Egal, was die im Guten oder Bösen angerichtet haben. In unserer „Republik der Minijobber“ und der Rentendämpfung. „Die totale Manipulation ist möglich“, macht Albrecht Müller, Erfinder von www.nachdenkseiten.de , ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter, geltend. Er fordert uns auf, „mit anderen Menschen zusammen (zu) beobachten und zu analysieren, wie wir veräppelt werden“. Dann hielte man das besser aus und behält die Kraft zum Widerstand.

„Woran liegt es, dass wir so glücklich sind?“ provoziert politisches Kabarett sein Publikum im BR („Altinger mittendrin“, 32.10.) Michael A. meint, „weil vielen heute alles wurscht ist“.
Der Brettl-Kollege Wilfried Schmickler („Mitternachtsspitzen“, WDR) hält mit Volksmund dagegen: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr.“ Jaja – „Verzicht ist was für Leute, die eh nichts haben. Die kennen ja nichts anderes.“ 

 

Bei Soziologen gibt es seriöse Zufriedenheitsforschung.So im Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ) im Auftrag des Sozialverbandes Volkssolidarität. Dessen „Sozialreport 50+ 2011" beruht auf seit 1990 durchgeführten jährlichen Untersuchungen. Das Ergebnis wurde so zusammengefasst: „Generation 50+: Zufrieden mit der privaten Gegenwart und Befürchtungen für die Zukunft.“ – Wenn man so will, eine gewisse Bestätigung der Kanzlerin.
http://www.volkssolidaritaet.de/cms/sozialreport_50plus_2011.print

Maßgeblich für Zufriedenheit sind für die Autoren des „Glücksatlas 2011“, Forscher der Universität Freiburg und des Instituts für Demoskopie Allensbach, „eine gute Gesundheit, eine intakte Partnerschaft und Freundschaften. … Größte Glückshemmnisse sind Gesundheitsprobleme, Tod des Partners, ungewollte Arbeitslosigkeit und wenig Sozialkontakte.“ Studien-Mitarbeiter Max Höfer schränkt ein: „Menschen, die keinen Job haben, sind sehr deutlich unglücklicher als Menschen, die gut beschäftigt sind.“

Das relativiert das Bild von unserem Land als einer Insel der Glückseligkeit doch sehr. 

Nach einer Untersuchung der Universität Duisburg hat sich die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrer Arbeit in den vergangenen 25 Jahren erheblich verschlechtert. Im internationalen Vergleich rangiere Deutschland diesbezüglich auf Platz 18. Gründe dafür sind zuoberst geringe Lohnsteigerungen und wachsende soziale Unsicherheit neben zunehmender Arbeitsbelastung.
Nur in Ex-Ostblockländern sind Arbeitnehmer noch unzufriedener.

Im Umkehrschluss müsste zufrieden sein, wer als RuheständlerIn quälender und obendrein mies bezahlter Berufsarbeit entronnen ist. Doch die sehen sich vielfach mit Renten getäuscht oder – wer es leicht nimmt – veralbert, deren Realwert noch und nöcher sinkt, weil die jährlichen „Rentenanpassungen“ selten noch Rentenerhöhungen und nicht mal wirklich lachhaft sind.

 

„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ heißt es in der Weihnachtsbotschaft der christlichen Bibel (Lukas 2).

Das bleibt weiter eine unerfüllte Verheißung.

 

Nach einer weiteren Studie, diese im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, zur Leistungsfähigkeit des deutschen Wirtschafts- und Sozialmodells mit Blick auf das Jahr 2020 meinen 63 % der Befragten, dass die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung weiter sinken werden.  Link 

 


 

Ein schlichter  Videofilm  eröffnet weite Perspektiven:

„Wie die Finanzwirtschaft die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander treibt und was dagegen getan werden muss."

 

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post